Wo die "kleine bühne seelze" herkommt


Es war einmal eine Amateurbühne und die hieß die "kleine bühne seelze". Falsch!
Es waren einmal einige junge Leute, die in Seelze und Umgebung wohnten und der evang-lischen Kirche in Jugendgruppen zugetan waren. Damals, das war vor 70 Jahren, also 1946, da gab es noch keinen Laptop und keinen Gameboy, da spielte man noch Räuber und Gendarm oder Völkerball; und zwar draußen auf der Straße oder verbotenerweise auf dem Fußballplatz.

Und irgendeiner von ihnen träumte davon, die Bretter, die die Welt bedeuten sollen, zu besteigen und Theater zu machen. Das schien den anderen auch zu gefallen, denn sie beschlossen, gemeinsam eine Theatergruppe unter der Leitung des Diakons Gustav Klemme von der Ev.-luth. Martinskirchgemeinde Seelze zu gründen und gaben sich fortan den fetzigen Globalnamen "Evangelischer Laienspielkreis Seelze".

Mit ersten Aufführungen von Krippenspielen an den Heiligen Abenden in der Seelzer Kirche versuchte man mit mäßigem Erfolg zu Weltruhm zu gelangen. Aber für die "alten" Seelzer waren die Aufführungen ein absolutes Highlight. (Damals hätte man "Höhepunkt" gesagt, aber das versteht ja heute keiner mehr!)

Wie das so ist, nach einiger Zeit reichte das nicht mehr, man strebte nach Höherem und mit einigem Heimweh traute man sich in den 50er Jahren unter der Obhut von Klaus Stolzmann (später Pastor in Hannover - versteht sich!) aus der kirchlichen Umgebung heraus und wagte sich an klassische Theaterstücke heran, das waren zum Beispiel "Der Maulkorb" von Spoerl, "Die Freier" von Eichendorff, "Der Tod Adams" von Klopstock, "Der dunkle Reigen" von Hausmann und so weiter und so weiter.

Als historisch größtes Ereignis gilt heute noch die niedersächsische Erstaufführung des Musicals "Halleluja Billy" von E. Lange mit 40 (vierzig in Worten!) Akteuren, die teilweise auch Gesangsrollen (!) übernommen hatten! Ob dies immer stimmlich ein Ohrenschmaus gewesen sein mag, kann der Historiker heute nicht mit Bestimmtheit vermelden, als wahr gilt jedoch, dass es keine Ohnmachtsanfälle oder Hörstürze zu beklagen gab.

Wie oft nach solchen großen Ereignissen war danach die Luft ein bisschen raus und es gab durch Veränderungen beruflicher oder privater Natur eine Zeit der Schaffenspause. Aber das dauerte nicht lange, denn Ende der 50er übernahm Helmut Kretschmann, der schon die Gründerzeit miterlebt hatte, die Leitung der Theatergruppe und warb um neue Mitglieder, die die weitere Zukunft der Gruppe sichern sollten. Wenn Sie bei unseren heutigen Aufführungen etwa einen älteren, zerknitterten Herrn mit spärlichem Haar oder eine etwas verwirrte, ältliche Dame mit Hut und Handtasche auftreten sehen, so ist das die damalige "neue Mitgliederstruktur".

Mit dieser "runderneuerten" Mannschaft versuchte man sich an kürzeren, typischen Laienspielstücken und erfreute damit im Beiprogramm karikativer Einrichtungen (z.B. DRK)die älteren Herrschaften. Allerdings hatte man oft den Eindruck, dass diese mehr der darauf folgenden Tombolaausgabe entgegenfieberten, weil man schon ein Gewinnlos in den Händen hatte. (Und jedes Los war ein Gewinn!!)

Dann wurde ab 1978 alles anders! Die inzwischen etablierte Mannschaft wollte raus aus dem Laienspielstatus und nannte sich ab jetzt die "kleine bühne seelze". Technik, Organisation, Intensität der Proben, die Auswahl abendfüllender Theaterstücke und Inszenierungen bekamen eine professionelle Prägung.

Seit fast 30 Jahren in jedem Herbst bietet das Amateurtheater Stücke in eigener Produktion an, wobei es sich vorzugsweise um traditionelle Komödien oder freche Boulevardstücke handelt. Seit über 25 Jahren hat Andreas Trapp inzwischen die Regie der "kleine bühne seelze", in der gemäß seiner demokratischen Auffassung nur sein Urteil gilt. Wir haben deshalb einstimmig beschlossen, die "kleine bühne seelze" nie in die freie bühne seelze umzubenennen.

Basta und Vorhang zu!

D.R./Januar 2016